DAS GANZTAGSGHETTO
Wir müssen über den Begriff des „Menschen im Mittelpunkt“ sprechen, eine Phrase, die in fast jedem Corporate-Leitbild zu finden ist und doch die bittere Realität verhöhnt. In den meisten modernen Büros wird der Mensch nicht in den Mittelpunkt, sondern in ein Korsett aus repetitiven, stumpfsinnigen und geisttötenden Tätigkeiten gezwungen. Hochgebildete Arbeitskräfte verbringen Tage damit, Daten von Excel-Listen in ERP-Systeme zu übertragen, Unterschriftenmappen physisch von Stockwerk zu Stockwerk zu tragen oder Reports zu erstellen, die niemand liest.
Das ist ein Verbrechen an der menschlichen Intelligenz und an den Ressourcen des Unternehmens.
Da sitzen erwachsene Menschen, die im Privatleben Immobilien finanzieren und Kinder erziehen, aber im Büro um Erlaubnis bitten müssen, wie sie ihre Zeit einteilen. Wenn ein Top-Performer dafür bestraft wird, dass er seine Aufgaben durch smarte Automatisierung bis zum Mittag erledigt hat, anstatt mit künstlich gedehnter Langsamkeit bis siebzehn Uhr Geschäftigkeit zu simulieren, dann ist das System kollabiert.
Das System fordert Spitzenleistungen, belohnt aber in der Realität das Befolgen von Ritualen, die Einhaltung von Kernzeiten und den bloßen Anschein von Anstrengung. Wer Spitzenkräfte wie Schulkinder behandelt, verliert sie an die Freiheit. Sie gründen eigene Unternehmen, während die reinen Zeitabsitzer im System verbleiben und verlässlich die Bürostühle wärmen. Automatisierung ist kein technisches Gimmick (es ist die Befreiung des Menschen von der Last des Maschinen-Daseins). Wenn Software repetitive Aufgaben übernimmt, wird der Mitarbeiter wieder zu dem, wofür er eigentlich bezahlt wird (zu einem denkenden, wertschöpfenden Individuum).